Pianore: Der Geburtsort der letzten Kaiserin Österreichs


Ein herrschaftliches Haus im Niedergang

Die Villa Pianore im Ortsteil Cappezano-Pianore von Camaiore

Kommt man an das Tor zum Park um die Villa Pianore, ist der erste Eindruck: Geschlossen! Doch der Eindruck täuscht, denn die kleine Pforte neben dem verriegelten Tor steht offen, und ein Schild verkündet, dass sie das auch noch bis 18 Uhr tun wird. Der Zugang zur Geburtsstätte der letzten Österreichischen Kaiserin ist also frei.

Allerdings, so wie das österreichische Kaiserhaus wohl seine besten Zeiten hinter sich hat, so ist auch das Anwesen in Camaiore aktuell nicht im besten Zustand. Der Park wirkt verwildert. Man schreitet durch einen üppigen Palmenhain, und überall wachsen neue Palmen empor. Dann steht man ziemlich unvermittelt vor dem Palast. 19. Jahrhundert, das sieht man sofort. Ein Zugang zu den Innenräumen ist aber nicht oder zumindest nicht immer möglich; mag sein in den Sommermonaten nach Anmeldung – Anmeldung aber wo? Im Inneren soll es üppig ausgestattete Säle und eine Hauskapelle geben. Von außen sieht man aber nicht viel.

Das Gebäudeensemble ist dreigeteilt. Und der dritte, nördlichste Teil, ist so stilrein, dass es fast schon schockiert: Baujahr 1964. Hier war einmal eine Ausbildungsstätte für angehende Religionslehrer untergebracht, und hier gab es vor kurzem noch eine Schule für Wirtschaft. In den Proportionen ist das 60er-Jahre-Gebäude zwar den Gebäuden aus dem 19. und 18. Jahrhundert angepasst. Aber wenn man den Sichtbeton, die üppigen Glasflächen, die Hausmeisterloge und die vergessenen Plakate betrachtet, lässt sich ein gruseliger Schauer kaum unterdrücken.

Immerhin, die Villa (wohl nicht der 60er-Jahre-Trakt) wird hin und wieder von der Stadt Camaiore für Ausstellungen, Feste oder Messen verwendet. Es lohnt sich vielleicht ein Blick auf die Webseiten der Stadt, ob gerade etwas anliegt.

Zita als Österreichische Kaiserin. Foto: Wikipedia

Und Zita? Im Jahr 1892 kam sie in Camaiore zur Welt und bekam den Namen Zita Maria delle Grazie Adelgonda Micaela Raffaela Gabriella Giuseppina Antonia Luisa Agnese. Das vermittelt Anspruch. Sie hatte übrigens elf Geschwister und zusätzlich noch zwölf Halbgeschwister aus der ersten Ehe ihres Vaters. Mit 19 heiratete sie den späteren Kaiser Karl I. Ihr Kaiserinnen-Jahre dauerten aber, umständebedingt, nur von 1916 bis 1918. Bekannt ist ihr Sohn Otto Habsburg, der in späteren Jahren ein bekannter CSU-Europapolitiker war.

Zitas Leben verlief alles andere als glatt. Ihr Mann starb 1922 an einer Lungenentzündung, und ihre Versuche, die Monarchie in Österreich und Ungarn wieder herzustellen, scheiterten kläglich. Von 1940 bis 1956 war sie im kanadischen Exil. Nach Österreich konnte sie erst 1982, mit 90 Jahren, zurückkehren. Sie starb im Jahr 1989, wurde also 97 Jahre alt. Wer mehr über sie lesen möchte, sei der Wikipedia-Artikel empfohlen.