Die römischen Ruinen in Massaciuccoli


Die Reste der römischen Villa bei Massaciuccoli

Pisa war zur Zeit des Kaisers Augustus eine Hafenstadt am Meer. Hier endete der erste Bauabschnitt der Via Aurelia. Der Grund für das plötzliche Ende der Straße waren die Sümpfe der Versilia, denn das Vorland der apuanischen Alpen war zwar wohl auch schon damals fruchtbar, aber nicht besonders wegsam. (Die endgültige Trockenlegung des teilweise unter dem Meeresspiegel liegenden Landes begann erst so richtig im 19. Jahrhundert.)

Der Lago Massaciuccoli, den man bei Wanderungen rund um Camaiore in ungefähr 20 km Entfernung in der Sonne glänzen sieht, war damals eine mit dem Meer verbundene Lagune. Hier konnten Schiffe sicher ankern. Und hier führte auch die später gebaute Via Emilia Scaura vorbei, von Lucca kommend. An diesem Platz entstand in den ersten Jahrzehnten nach der Zeitenwende eine beachtliche Villa, die der Familie Venulei, vermutlich in Pisa ansässig, gehörte. 

Abendlichen Blick auf den Lago Massaciuccoli

Es ist eine bevorzugte Lage: Auf einem Hügel über dem See geht der Blick weit ins Land. Blickt man nach Süden, liegt dort Pisa, nach Westen der Lago Massaciuccoli und nach Norden der Küstenstreifen der Versilia und die Gipfel der Apuanischen Alpen. Wie groß die Villa insgesamt war, lässt sich nicht mehr recht ermessen. Denn dort, wo die Wohn- und Schlafräume lagen, steht schon seit Jahrhunderten eine Kirche. Erhalten sind aber die Überreste des "Badezimmers": Auf vielleicht 200 Quadratmetern gibt es eine umfangreiche Bebauung. Warm- und Kaltbadebecken, Erfrischungs- und Ruheräume, es ist fast wie eine große moderne Sauna!

Pferdeähnliche Fantasiefiguren schmücken das Mosaik

Woher die Bewohner das Wasser für ihre Badefreuden nahmen, ist nicht so recht klar. Wahrscheinlich gab es eine hölzerne Leitung von einem Bach in der Nähe. Dass aber diese "Protzvilla" nicht das einzige römische Gebäude in Massaciuccoli war, zeigen Ausgrabungen der letzten Zeit. Rund 30 Höhenmeter tiefer, am Ufer des Sees, kamen Grundmauern und Fußbodenmosaike zum Vorschein. Vielleicht war dies ein Übernachtungshaus für Reisende, vielleicht eine Art Zollgebäude. Auf jeden Fall waren diese Gebäude repräsentativ ausgestattet. Das Römische Reich machte auch außerhalb Roms ziemlich viel her. Die einzigen schwerwiegenden Nachteile der römischen Badekultur dürften aus heutiger Sicht der damit verbundene Raubbau an Wäldern zur Gewinnung von Brennmaterial und die meist wenig beachtete Tatsache darstellen, dass die Wassererwärmung den Sklaven oblag, die in niedrigen Gängen unterhalb der Becken und der beheizten Fußböden Feuer entfachen mussten. Gegen diese Gesundheitsbelastung dürften selbst engagierteste Raucher eher wie Einwohner von Luftkurorten dastehen.

Sehenswert sind der römische Bezirk von Massaciuccoli aber auf jeden Fall. Man erreicht ihn von Camaiore aus innerhalb einer halben Stunde mit dem Auto. Der Blick über den See ist bezaubernd, und die Ruinen sind ein beredtes Zeugnis der römischen Vergangenheit der Gegend.