Hitze, Wasser, Schwefel...


Becken mit heißem Thermalwasser im Zentrum der kleinen Ortschaft Bagno Vignoni
So kennt man es aus dem Tarkowski-Film Nostalghia. Ein Becken voller heißem Wasser – leider nur zum Anschauen: Bagno Vignoni

In Italien gibt es viele seismisch aktive Zonen, denn hier stoßen die afrikanische und die eurasische Erdplatte zusammen. Davon zeugen zahlreiche heiße Quellen. Wenn Sie das Ferienhaus Casa Berti bei Camaiore für ihren Urlaub mieten, liegen die nächstgelegenen Thermen in der Garfagnana nördlich von Lucca. Gepflegte Kuratmosphäre gibt es auch in Montecatini Terme, auf der Strecke nach Florenz. Bagno Vignoni ist allen bekannt, die den rus­sischen Regisseur Tarkowski lieben: hier spielt sein Film Nostalghia. Leider ist das große Thermalbecken in der Mitte des Ortes nicht zum Baden zugelassen; stattdes­sen gibt es ein beachtliches Bad in einem Hotel mit ebensolchen Eintrittspreisen und Badekappen­zwang – wie in Italien durchweg üblich.

Freiluft-Baden im Dezember im warmen Wasser von Saturnia bei Grosseto
Baden im schwefligen Wasser von Saturnia, Ende Dezember 2013. Eine erquickliche Urlaubs-Beschäftigung!

Zu empfehlen sind auch die Thermen von Saturnia, rund 60 km von Grosseto entfernt. Hier fließt das warme Wasser über eine Reihe von Sinterkaskaden. In den ständig durchströmten Becken sitzt es sich gemütlich, und hinterher fühlt man sich prächtig geschwefelt und erfrischt. Die Anreise ist vom toskanischen Ferienhaus bei Camaiore allerdings nicht zu unterschätzen: rund 240 km sind es. Am Ende einer sehr kurvenreichen Strecke erwartet den neugierigen Toskana-Touristen ein großer Parkplatz und eine buntgemischte Badegesellschaft.

Freiluft-Baden in Petriolo

Wer das besondere Badeerlebnis sucht, macht einen Ausflug nach Petriolo südlich von Siena. Hier fließt das 40 Grad warme Wasser direkt aus der Quelle durch ein Rohr in einen Fluß. Wie auch bei Saturnia gibt kein Eintrittsgeld, keine Umkleidekabinen und auch sonst nichts – einfach nur Badespaß. Die Einheimischen schwören auf die verschönernde Kraft des Fango, mit dem sie sich interessante Gesichtsbemalungen zufügen.

Petriolo – hier strömt heißes Wasser aus einer Quelle in einen Fluss.
Badefreuden bei Petriolo an einem Sonntag im Januar

Von Ihrem Ferienhaus bei Camaiore ist Petriolo in rund zweieinhalb Stunden zu erreichen. Aber man kann den Badeausflug gleich mit dem Besuch von Siena, das auf dem Weg liegt, verknüpfen. Und wer einen "Warmbadetag" machen will, besucht bei der Gelegenheit auch gleich Saturnia.

Überall silberglänzende Dampfleitungen und Schwefeldünste
Fumarolen bei Sasso Pisano
Ein heißer Tipp für den Warmbadetag

Wo die Erde Dampf ausspuckt

Besondere Erlebnisse verspricht auch die Gegend von Sasso Pisano. Dies ist eine kleine Ortschaft etwas 20 km südlich von Volterra, die man auf der Straße SP 409 erreicht. 

Die ganze Gegend ist seismisch aktiv An zahlreichen Punkten im Gelände steigt Dampf aus Fumarolen auf, und die Elektrizitätsfirma Enel fängt ihn vielfach auf und erzeugt damit Strom. Was wie ein beschauliches, kleines Atomkraftwerk wirkt, sind dann in Wirklichkeit die Kühltürme von Erdwärme-Kraftwerken. Durch das Gelände führen auf Kilometer zahlreiche Leitungen von rund einem halben Meter Durchmesser, deren Edelstahl-Ummantelung in der Sonne glänzt Es wirkt futuristisch. In Sasso Pisano kann man ein Gelände mit zahlreichen heißen Quellen, Geysiren und Fumarolen besichtigen - allerdings nur, wenn Enel es erlaubt, denn es befindet sich vollständig im Besitz der ehemaligen Staatsfirma. Aber es gibt auch noch andere Möglichkeiten, eine kleine Wanderung durch ein Fumarolen-Gebiet bei Sasso Pisano zu machen - dazu demnächst mehr auf einer eigenen Unterseite.

Die zahlreichen heißen Quellen wurden auch schon in der Antike genutzt. Fährt man von Sasso Pisano aus auf der SP49 etwas 2 km nach Westen, biegt nach links eine kleine Straße ab, die zu der Ausgrabungsstätte Complesso Sacro Termale Etrusco e Romano führt. Leider war bei unserem Besuch eine eingehende Besichtigung nicht möglich, weil das Gelände mit einem Zaun umschlossen war. Die Anlage stammt aus dem 3. Jahrhundert vor Christus, wurde dann vermutlich durch ein Erdbeben zerstört und nach einem Jahrhundert wieder aufgebaut. Sie blieb bis zum Jahr 300 in Betrieb. Dann wurde sie vielleicht durch einen Erdrutsch verschüttet.

Die Quellen, die damals die mehrere hundert Quadratmeter große Badeanlage speisten, gibt es aber noch heute. Das Wasser fließt in ein Bachbett und kühlt sich dabei ein bisschen ab. Das ist auch gut, denn das 60 Grad heiße Quellwasser wäre zum Baden kaum geeignet. So aber kann man sich in verschiedenen Becken des Baches ein urtümliches Warmbade-Vergnügen gönnen. 

Siehe auch: Besuch in den Bädern von Lucca