Sprachinsel Gombitelli


Fährt man vom toskanischen Ferienhaus nach Lucca, kommt man bald nach der Überquerung des Passes bei Montemagno an ein Schild, das den Weg nach Gombitelli weist – mit dem Zusatz "Isola Linguistica". Was es damit auf sich hat?

Das Dorf Gombitelli liegt nicht gerade am Weg. Die Straße ist lang, führt durch Wald und hat viele Schlaglöcher und vermutlich noch mehr Kurven. Von der Abzweigung aus erreicht man nach fünf Kilometern endlich die auf fast 500 m Höhe liegende Ansiedlung. Im Gegensatz zu anderen Dörfern, die zu Camaiore gehören, liegt Gombitelli nicht auf einer herausragenden Spitze, sondern flach am Hang dahingestreckt. Hinter den Häusern erhebt sich der Monte Rondinaio.

In Gombitelli wird von alters her ein gallo-romanischer Dialekt gesprochen, wie er sonst in der Emilia anzutreffen ist. Und tatsächlich ist der Ort im 13. Jahrhundert von Familien (neu) besiedelt worden, die von dort stammten. Dass sich diese sprachliche Besonderheit 800 Jahre lang halten konnte, ist wohl hauptsächlich der abgeschiedenen Lage von Gombitelli zu verdanken. Oder war die Geschichte doch etwas anders?

Denn eine Gruppe von deutschen Handwerkern soll, ursprünlich im Gefolge einer Armee Karls des Fünften, in Gombitelli geblieben sein. Deshalb, so heißt es, könne Gombitelli nicht nur mit einem speziellen Dialekt, sondern auch mit besonders kunstfertiger Eisenbearbeitung aufwarten. Jahrhundertelang wurden dort insbesondere handgeschmiedete Nägel, wie sie auch in den alten Balken des Ferienhauses stecken, hergestellt.

Seine heutige Berühmtheit erhält Gombitelli aber unbedingt durch seine Wurstwaren. Die luftgetrockneten Schweineschinken und das speziell gewürzte Schmalz sollen für alle, die es mögen, eine Delikatesse sein! Alles zusammen sind das sicher genug Gründe, einmal einen Abstecher zu machen.