150 verschiedene Olivensorten


Netze für die Olivenernte werden unter den Ölbäumen ausgelegt
Im Oktober werden in den Olivenhainen die Netze ausgelegt und mit Plastiknägeln zusammengesteckt.

In Italien soll es mehr als 150 Oliven-Sorten geben: Kleine und große, früh und spät reifende, Oliven, die eher als Speiseoliven und andere, die eher als Öllieferanten eingesetzt werden. Es gibt Oliven, die auf Fremdbefruchtung angewiesen sind und solche, die sich selbst befruchten können. Der Blütenstaub wird vom Wind kilometerweit fortgetragen und sorgt für die Befruchtung auch von Ölbäumen, die eine sehr isolierte Lage haben.

Wer Ölbäume aus Griechenland, Süditalien oder z. B. Tunesien kennt, stellt sich uralte Baumriesen mit meterdicken Stämmen und einer phantastischen Krone vor. Solche Ölbäume findet man in der Toskana kaum. Bei den im Winter häufigen Frösten und der vergleichsweise nördlichen Lage in der Toskana gedeihen die Bäume nicht so gut und werden letztlich auch lange nicht so alt. Aber die nördliche Lage hat einen unschätzbaren Vorteil: das von den Früchten gewonnene Olivenöl ist fast säurefrei. Deshalb ist toskanisches Öl eine Delikatesse!

Oliven sind veredelte Bäume, das heißt, die einzelnen Bäume sind aus unterschiedlichen Pflanzen zusammengesetzt. Das hat Folgen für ihr Wachstum. Genau wie bei einem veredelten Apfelbaum bildet sich nicht von allein eine schöne Form heraus: Sie muss erst durch den regelmäßigen Baumschnitt erzeugt werden. Lässt man Oliven einfach wachsen, tendieren sie dazu, lang und hoch zu wachsen. Zahlreiche Austriebe aus Wurzeln und dem Stamm tun ein übriges dazu, Oliven in eine Art Gebüsch zu verwandeln. Nur dauernde Pflege und Beschnitt fördern die Ausbildung eines wohlgestalteten Ölbaums. Auch der Ertrag wird durch den Baumschnitt größer und vor allem regelmäßiger.

Ein großes Problem ist die Olivenfliege. Im Aussehen ähnelt sie der Stubenfliege; ihre Eier legt sie in die reifenden Oliven. Dort lebt dann eine Zeit lang die Made der Fliege, bis sie die Frucht verlässt, sich im Erdreich verpuppt und als Fliege weitere Oliven schädigt. Durch den Befall der Fliege werden manchmal ganze Erntejahrgänge vernichtet. Im konventionellen Erwerbsanbau wird die Olivenfliege im allgemeinen mit massivem Einsatz von Spritzmitteln bekämpft. Das "Lexikon der Weltwirtschaftspflanzen" von 1960 empfiehlt noch DDT. Die Klein- und Nebenerwerbsbauern, die an den Hängen um Camaiore herum Oliven kultivieren, nehmen "die Fliege" als Schicksal oder behelfen sich mit Fallen. Die Flaschen und anderen Gerätschaften, die man in Olivenhainen aufgehängt sieht, sind meistens Fliegenfallen.