Von Schüttmauerwerk und Terrakotta-Fußböden


Gebaut mit einfachen Mitteln und lokalen Materialien

Häuser wie das jetzige Ferienhaus sind grundsätzlich sehr einfach gebaut: Oft nimmt ihre Grundfläche ein einziger Raum ein. Durch die Hanglage kann in wenigstens zwei übereinander llegenden Räumen ein ebenerdiger Zugang geschaffen werden. Ein dritter Raum ist dann oft über eine kleine hölzerne Stiege im Haus zu erreichen.

Die Wände bestehen meistens aus Schüttmauerwerk, dem "historischen Beton der Toskana". Lehm und unbehauene Feldsteine werden in eine Form geschüttet und festgestampft. Dann wird die Form entfernt, das Gebilde trocknet und man kann die nächste Mauerschicht in Angriff nehmen. So geht es weiter, bis in Höhen von 7 Meter und mehr.

Erstaunlicherweise sind solche Wände bei entsprechender Dicke (rund 40 bis 50 cm) sehr dauerhaft. Auch kleinen Erdbeben halten sie stand. Was sie aber nicht vertragen, ist dauernde Nässe. Wenn solche Wände nicht durch ein Dach abgedeckt werden, lösen sie sich auf und stürzen ein. Dieses Schicksal erlitt auch das Rustico im Olivenhain.

Ihr Ferienhaus: ein Doppelhaus

Der Grundriss des Hauses hat eine Besonderheit: An ein ursprünglich kleines Gebäude mit einem offenen Kamin im Wohnraum (heute die Küche des Ferienhauses Casa Berti) und einem kleinen Stall darunter ist ein größeres, mehrstöckiges Gebäude angebaut, das im Erdgeschoss ebenfalls als Stall genutzt wurde. Darüber befand sich ein Raum mit offenen Fenstern, der vielleicht zum Lagern von Futtermitteln verwendet wurde und eventuell im Sommer auch zu Wohnzwecken. Durch die Hanglage befinden sich alle Räume auf unterschiedlichen Ebenen; im Inneren gab es eine morsche hölzerne Treppe und im Bereich der Ställe eine rohe, steinerne Treppe, die erst 2012 entfernt wurde. Es gab eine Wasserversorgung durch eine Zisterne, in der Regenwasser gesammelt wurde. Das Haus war bereits von 25 Jahren vollständig eingewachsen. Die Natur drang auch durch das schadhafte Dach ein; die Deckenbalken begannen zu modern. An einen Urlaub war damals dort wirklich nicht zu denken!

Teilweise war das Mauerwerk mit Bäumen bewachsen – nicht alles ließ sich retten.
Die alten Balken waren bis auf einen morsch – Transport neuer Balken
Ein neues Dach entsteht.

Die Zwischendecken in solchen alten toskanischen Häusern bestehen aus einem Balkengitter, auf das in langen Reihen Terrakotta-Flachziegel (ca. 28 x 12 x 2,5 cm) gelegt und verfugt werden. Auf die untere Lage der Ziegel kommt eine Lehmschicht, und dann werden als Nutzfläche des Fußbodens die besagten Terrakotta-Platten aufgebracht. Solche Fußböden bzw. Decken haben einen eigenen Charme, der in dem Zusammenspiel des Holzes (oft Eiche oder Kastanie) mit den handgezogenen und farblich unterschiedlich ausfallenden Flachziegeln besteht.

Zwei der Zwischendecken waren in dieser Art gebaut. Allerdings hatte sich in früheren Jahren schon einmal jemand an der Restaurierung im Bereich der ehemaligen Küche versucht. Die Lehmschicht zwischen den Terrakottaplatten war entfernt und durch einen ziemlich fest anhaftenden Beton ersetzt. Das machte beim Neubau der morschen Fußböden die Wiederverwendung der alten Flachziegel schwierig.

Bei der Renovierung des Ferienhauses ab dem Jahr 2002 haben wir versucht, so viel alte Substanz wie irgend möglich zu erhalten. Trotzdem war es letztlich fast so etwas wie ein Neubau unter erschwerten Bedingungen. Denn alles benötigte Material musste mit einer Seilbahn zur Baustelle gebracht werden. Und was nicht auf die Seilbahn passte, z. B. die großen Fensterrahmen, musste getragen werden.