Artischocken – ein besonderes Gemüse


Man glaubt ja gar nicht, wie manche Leute so ticken. Bei einem Seminar in einem Tagungshaus servierte der Autor dieser Zeilen einmal Artischocken. Beim Türken um die Ecke gab es eine ganze Kiste für wenig Geld, und da hieß es natürlich zugreifen. Wohl war ich mir des Risikos bewusst, dass der eine oder andere dieses in Deutschland ja nicht gerade weit verbreitete Gemüse nicht gutieren würde. Auch ist es ja nicht immer einfach zu essen. Aber was dann passierte, hatte meine Phantasie nicht vorhergeahnt. Eine Teilnehmerin überzog mit mit einer Schimpfkanonade. Artischocken! Auf einem Seminar!! Von ihren Teilnehmerbeiträgen gekauft, und wahllos allen vorgesetzt!! Da sie sich doch kaum traue, diese teuren Knospen für sich selbst zu kaufen!!!

Sollte einer meiner Leser ein ähnliches Verhältnis zur Verschwendung haben, sei hier gesagt: In Camaiore im Gemüse-Geschäft oder Supermarkt gibt es Artischocken fast das ganze Jahr zu moderaten Preisen. Ein Bund mit vier Artischocken (auf italienisch: Carciofi) bekommt man häufig für zwei Euro. Da kann man sich nicht beschweren.

Was sind aber diese seltsamen Dinger nun eigentlich? Es sind die Blütenknospen einer gezüchteten Distelart. Das Stachelige ist ihnen noch überall anzufühlen. Aber davon lassen wir uns mal nicht beeindrucken.

Die einfachste Zubereitungsart geht so: Man wäscht die Artischocken, schneidet die Stile ab, setzt sie in einen Topf mit Wasser, das mit Salz, Essig und Zucker gewürzt ist, und kocht sie auf kleiner Flamme. Lange! Mindestens eine halbe Stunde, aber das gilt nur für die kleinen Artischocken, die so groß wie ein Gänseei sind. Man bekommt auch große, und die lassen sich eher mit zwei Fäusten vergleichen. Dann sollte man schon eine Stunde Kochzeit einplanen und in der Halbzeit das Wasser einmal probieren. Schmeckt es bitter, sollte man es ersetzen. Um zu prüfen, ob die Speise schon gar ist, zupft man eines der äußeren Blätter ab. Da, wo es angewachsen ist, findet sich ein wenig "Fleisch", das man ganz gesittet mit einem Löffel abschaben kann. Die natürliche Verzehrart ist aber das Abnagen mit den Zähnen.

Wenn man die Artischocken so zubereitet, braucht man irgendeinen Dip dazu. Besser sind natürlich mehrere Dips. Empfohlen sei eine Aioli-Sauce, eine stark reduzierte Kräuter-Tomaten-Soße, reines Olivenöl und Butter. Damit wird man jeden Geschmack treffen!

Es gibt aber auch raffiniertere Zubereitungsarten. Wenn man kleine Artischocken hat, kann man sie füllen. Dazu macht man eine Füllung aus geriebenem Parmesan, Knoblauch oder Bärlauch, zerhackten Pinienkernen, etwas Olivenöl und etwas fein gehacktem Rosmarin. Mit Pfeffer und Salz abschmecken. Man schneidet mit einem scharfen Messer die Spitzen der Artischockenblätter ab (nicht jedes einzeln!), biegt die Frucht etwas auf und quetscht die Masse in die sich auftuenden Zwischenräume. Dann setzt man die gefüllten Artischocken in einen passenden Topf mit wenig Wasser und lässt sie bei geschlossenem Deckel mindestens eine halbe Stunde lang dämpfen. Darauf achten, dass immer etwas Wasser im Topf ist! Die Aromen der Artischocke und der Füllung vermischen sich – das Ganze wird zu einem geschmacklichen Aha-Erlebnis!