Vom landwirtschaftlichen Gebäude zum Ferienhaus


Kleine Baulücken geben Raum für Kreativität

Das alte Haus bei Greppolungo (Camaiore) ist ein typisches Rustico – also ein ländliches Haus, das in früheren Zeiten Wohnen und Landwirtschaft vereinte und als an Urlaub, Ferien und solche Dinge nicht gedacht wurde. Es liegt am Hang unterhalb des Dorfes Greppolungo. Hier finden sich, weit verstreut, noch wenige weitere alte Häuser, die in unterschiedlich starkem Maße renoviert und umgestaltet worden sind.

Als wir das Haus erstmals im Jahr 1987 erkundeten, war es schon seit vielen Jahren verlassen und dicht davor, eine Ruine zu werden. Besitzerin war seinerzeit die Witwe Berti, die aber nach dem Tod ihres Mannes jedes Interesse an dem Anwesen verloren hatte. Das Ehepaar hatte die Immobilie als eine Art Ferienhaus oder Wochenendhaus angeschafft. Aber schon zu Lebzeiten des Mannes zeigte es sich als nicht leistbar, das Gelände auch nur rund um das Gebäude herum in Ordnung zu halten. Freischneider und Fadenmäher kamen erst in den 80er Jahren auf und haben viel dazu beigetragen, verwilderte Olivenhaine wieder zu rekultivieren.

Eingestürztes Nebengebäude
Am besten war die Südseite erhalten

Inzwischen wissen wir, dass das Haus in den 1940-er Jahren noch bewohnt und bewirtschaftet wurde. Ein alter Mann erzählte, dass er sich noch sehr gut an einen Bauern, dessen Viehbestand hauptsächlich in einer Kuh bestand, erinnern konnte. Vermutlich ging diese Nutzung bis in die 50er Jahre.

In den 90er Jahren erlebte das Haus noch einmal eine landwirtschaftliche Renaissance: Der wandernde Schäfer Serafino nutzte es hin und wieder als Schafsstall. In der Zwischenzeit war das Anwesen über eine Reihe von Weiterverkäufen an eine Familie geraten, die nördlich von Mailand ihren Sitz hatte. Die Vorstellung war wohl, das Haus als Ferienhaus oder gar Altersruhesitz wieder nutzbar zu machen. Wie unrealistisch dies war, zeigte sich, als in einer regnerischen und stürmischen Nacht 1999 die südöstliche Hausecke einstürzte (zwei Schafe gehörten zu den Opfern). Die vollständige Zerstörung des Hauses deutete sich an.

In dieser Situation stimmte die Familie dem Verkauf an einen verrückten Deutschen zu. Er erhielt eine Ruine mit einem morschen und teils eingestürzten Dach, baufälligen oder nicht vorhandenen Zwischendecken, fehlenden oder teils abgängigen Außenmauern, ohne Wasser-Ver- und -Entsorgung, ohne Strom und – schade eigentlich – auch ohne Telefon. (Das letzte ließ sich bis heute nicht richten.) Der Zugang zu dieser Immobilie war wegen der dornröschenhaften Dornenhecken nur mit Schutzkleidung möglich. Hatte man sich aber einen Ausblick freigeschnitten oder es gewagt, auf den verbleibenden Balken zu einem der talseits gelegenen Fenstern zu balancieren, wurde man durch eine phantastische, ebenfalls märchenhafte Aussicht belohnt.