Besuch in den Bädern von Lucca


Die "Teufelsbrücke" - seit dem 13. Jahrhundert schwingt sie sich über den Serchio.
Ein großer deutscher Dichter...
In der rund 45 Grad warmen "Grotta Paolina"
Warmwasser-Plantschen im Hotelschwimmbad

Ist es nicht faszinierend? Eine Quelle, aus der warmes oder heißes Wasser sprudelt! Und davon gibt es in den Bagni di Lucca nicht nur eine, sondern mehr als ein Dutzend.

Im 19. Jahrhundert waren die Bäder von Lucca ein begehrtes Reiseziel der oberen Zehntausend. Auch Heinrich Heine war dort, und berichtete in seiner gleichnamigen Erzählung – vom Gesellschaftsleben. Nicht aber von den Badeanwendungen, die er vielleicht aus Diskretion überging. Wir wollten es aber genauer wissen, setzten uns ins Auto und fuhren von Greppolungo los. Es sind nur gute 50 km, aber bei den vielen Kurven unterwegs braucht man schon deutlich mehr als eine Stunde.  Und es lohnt sich, etwas mehr Zeit mitzunehmen, z. B. um die phantastische Ponte della Maddalena zu besichtigen. Und dann ist man auch schon gleich da.

Mit Heinrich Heine die Aussicht genießen 

Nun ist es nicht so, dass es nur einen einzigen Ort mit Bädern gibt, sondern es gibt derer mindestens drei. Wir haben vorn angefangen und stiegen auf den „heiteren Hügel“, wo auch schon Heine residierte, der die Aussicht auf die Lima lobte. Die loben wir auch, nehmen auch die Gedenktafel zur Kenntnis und begeben uns alsbald in ein Gebäude, das den Charme eines niedersächsischen Landratsamtes von 1965 versprüht. Gleichwohl ist dies der Beginn eines speziellen Badeerlebnisses.

Man steht nämlich sofort in einer Lobby und vor einem größeren Kassentresen. Dort entscheidet man sich für eine der beiden Grotten – wir nahmen die kleinere, die "Grotta Paolina" – und wird zum Umkleiden in das 2. OG geschickt.

Bademäntel, Handtücher etc. kann man sich ausleihen. Von einer medizinisch aussehenden Dame werden wir über diverse Flure und Treffen tiefer hinab in das Gebäude geführt und einer anderen Dame im weißen Kittel, die über das Grottenerlebnis wacht, übergeben. Nach kurzer Wartezeit ist es so weit.

Grottenerlebnis mit hoher Luftfeuchtigkeit

Tatsächlich handelt es sich um eine nur wenig bearbeitete Naturhöhle mit einem kleinen aufgestauten Teich von heißem Wasser, das sich aus einer Quelle stetig erneuert. In stimmungsvoller Beleuchtung sitzen wir uns auf Marmorbänken gegenüber, das Wasser gurgelt in einem Abfluss, von der Decke tropft es und es hat ca. 45 Grad Raumtemperatur. Als Saunagänger hätte man nun eigentlich den Impuls, die Badebekleidung abzulegen, um schöner zu schwitzen. Wir haben uns aber nicht getraut.

Nach ungefähr 20 Minuten wird man wieder hinausgerufen. Eine eigene Entscheidung über den genauen Zeitpunkt hat man nicht zu treffen, denn man ist hier Patient. Nun geht es zügig und ohne irgendwelche Abkühlung in einen mit einer hübschen alten Kuppel versehenen Ruheraum, offenbar ein eingebauter sehr alter Gebäudeteil. Man legt sich rücklings auf eine der Liegen, und sofort kommt die Aufseherin und schlägt einen mit kundigen Griffen in ein Leintuch ein. Es beginnt dann ein offenbar medizinisches Nachgaren. Man kann den Blick zur Decke richten, von irgendwoher kommt auch ein bisschen leise Musik, wohltuender Kräutertee wird serviert und es ist ganz gemütlich. Schließlich, nach wiederum etwa 20 Minuten, wird man aus dem Tuch gepellt und ist damit quasi entlassen.

Warmwasser-Baden als Abschluss

Duschen kann man beim Warmwasser-Schwimmbecken. Es beginnt wieder ein komplizierter Weg durch das Haus, denn offenbar sind hier mehrere Gebäude vereint und die Übergänge wurden erst später angeglichen. Jedenfalls steht man nach der Bewältigung vieler Treppen und fensterloser Gänge plötzlich vor dem Schwimmbecken, das direkt hinter der Empfangshalle des benachbarten Hotels liegt. Hier absolvieren schon einige Hotelgäste der älteren Generation unfroher Mienen ihre Anwendungen. Das Wasser ist schön warm, es gibt ein paar Unterwasserdüsen und Wasserfall-Duschen, und man ärgert das Kurpublikum nicht schlecht, wenn man alles dieses ungeniert benutzt und damit die grämliche Kur-Ruhe stört.

Nach spätestens zwei Stunden ist die gesamte Wellness-Therapie schon vorbei. Praktisch ist man dann geheilt, oder zumindest ist ein Anfang gemacht. Wir haben allerdings nicht klar herausgefunden, welches Leiden auf diese Weise angegangen wurde. Doch schön war es auf jeden Fall.

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